Die visuellen Reize sind für das Gehirn die wichtigste Informationsquelle über die außenstehende Welt. Deswegen spielt das Sehvermögen auch eine besondere Rolle in der neurobiologischen Entwicklung jedes Babys. Das Sehvermögen im Babyalter wurde in der Vergangenheit sehr gründlich erforscht. Darum wissen wir ziemlich genau, was ein Neugeborenes oder Baby tatsächlich wahrnehmen kann und welchen Einfluss eine angemessene oder fehlende Stimulation auf seine Entwicklung hat.

 

Der Sehsinn, der im Mamabauch am wenigsten gefordert wurde, mehrere Jahre um sich vollständig zu entwickeln. Das Sehvermögen eines Babys unterscheidet sich von dem eines Erwachsenen in mehreren Aspekten: Sehschärfe, Sehbreite, -weite und -tiefe, Farben und Fokus: 

  • Zuerst sehen Babys die Welt um sie herum wie durch ein Milchglas – sehr stark verschwommen. Würde ein Erwachsener das gleiche Sehvermögen haben wie ein einmonatiges Baby, würden wir ihn als blind bezeichnen.
  • Die meisten Babys sind weitsichtig. Was aber besonders interessant ist, sie kompensieren diese Art der Fehlsichtigkeit mit Akkommodation der Augenlinse und fokussieren in den ersten Monaten auf Gegenstände, die bis zirka 30 cm von ihnen entfernt sind. 
  • Erst mit 6 Monaten sind die Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit in der nahen Umgebung ähnlich den eines Erwachsenen. Bis Kinder allerdings die Sehschärfe eines Erwachsenen erreicht haben, dauert es laut einigen Studien in der Regel sogar bis zu 7 Jahren.   
  • Neugeborene erkennen zwar den Unterschied zwischen dunkel und hell, nehmen aber keine Farben wahr. Diese kommen erst schrittweise dazu – zuerst rot dann grün, gelb und blau. Mit 4-5 Monaten können Babys alle diese Farben auch wahrnehmen.
  • In den ersten Wochen können Babys einem Gegenstand mit den Augen folgen, sofern es nah genug und kontrastreich ist. Mit 6 Monaten erkennen sie schon die Entfernung zwischen zwei Objekten und können ihren Fokus und ihre Aufmerksamkeit dazwischen wechseln.

Neugeborene und Babys können ihre Bedürfnisse trotz der starken Einschränkungen in den ersten Lebenswochen aber gut befriedigen. Sie erkennen das Gesicht von Mama oder Papa und können es von einem fremden Gesicht unterscheiden. Sie orientieren sich dabei an dem Haaransatz der jeweiligen Person. Sie sehen am Besten in einer Entfernung von zirka 20-30 cm, was in etwa der Entfernung zwischen der Brust und dem Gesicht der Mutter entspricht. Nachdem sie keine feinmotorische Tätigkeiten ausüben müssen, ist die fehlende Sehschärfe auch kein Problem.  

 

Wie kann man sich die Welt eines Babys vorstellen? Sieh hier durch die Augen eines Babys auf die kleine bunte Eisenbahn:

 

Die hier dargestellten Bilder aus Sicht der Babys sind lediglich eine Simulation des Babysehvermögens basierend auf wissenschaftlichen Studien.

Viele Wissenschaftler haben sich mit dem Thema Sehvermögen von Neugeborenen und Babys auseinandergesetzt. Eine gute Zusammenfassung der Untersuchungsmethoden und der Ergebnisse findest du u.a. in Visual Development - Oxford Research Encyclopedia of Psychology  (2017) von Janette Atkinson (Englisch).